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  • Alex

Regionenporträt Roussillon:

Aktualisiert: 11. Dez. 2021

Urgesteinsböden der Pyrenäenausläufer und geologischer Fleckerlteppich


Weine & Charakter: Vorwiegend Rotwein, mittelkräftig bis kräftig.

Rote Rebsorten: Syrah, Grenache, Carignan, Mourvèdre u.a.

Weiße Rebsorten: Grenache blanc & gris, Carignan blanc & gris, Macabeu, Muscat d´Alexandrie u.a.


Bei VINATURE vertreten: Jean Louis Tribouley aus Latour-de-France und Bastien Baillet aus Saint-Paul-de-Fenouillet (Domaine La Bancale)


Rotwein: Kräftige Grundstruktur mit mittlerem bis hohem Extrakt, Alkoholgrad ab 12% bis 15%. Alte Rebstöcke kombinieren bei jungen Weinen die sehr fruchtigen Primär– und Sekundärnoten mit präsenten, gut eingebundenen Säuren. Mit zunehmender Reifung (5J+) bestimmen komplexe, konzentrierte Tertiärnoten (Lakritze, konfierte dunkle Früchte) das Aroma, begleitet vom Echo frischer Frucht und gut unterstützendem Säuregerüst.


Weißwein: Mittlere-kräftige Struktur bei mittlerem Extrakt, Alkoholgrad von 12% bis 13.5%.

Herausforderung ist, die häufig herrschende Hitze nicht zu sehr in den Wein zu bringen, d.h. die

Säuren müssen möglichst erhalten bleiben: Gezielter Rebschnitt und frühe, jedoch nicht zu frühe Ernte sind wichtig. Früh zugänglich, lebendiges Bukett gelber Früchte, mitunter blumige Noten, ohne Dominanz eines zu breiten Körpers. Mit zunehmendem Alter (3J+) stellt sich eine feine Harmonie zwischen gereifter Frucht und kernigem Körper ein, ohne dass dieser zu sehr in den Vordergrund tritt.


Im äußersten Süden Frankreichs gelegen, begrenzen das Mittelmeer im Osten und die Pyrenäen

im Süden das Roussillon. Von weitem erblickt man das imposante Bergmassiv des Canigou, seit jeher Symbol katalanischer Identität. Hauptstadt des Départements (Pyrénées Orientales) ist Perpignan, deren katalanisch-mallorquinisch-algerisch-französische Geschichte sich im Zentrum widerspiegelt. Die zahlreichen küstennahen Weinfelder in der Ebene werden meist konventionell bewirtschaftet, produzieren hauptsächlich kraftvollen Rotwein aus vorwiegend maschinengeernteten Trauben. Lange Zeit waren dies die begehrten kräftigen Rotweine zum Aufbessern gewisser sehr bekannter Weine aus einer sehr bekannten Weinregion Frankreichs… aper pssst: Niemand sah die Tankwagen aus dem Bordelais, die hier regelmäßig ihren Durst stillten!


Interessanter ist das bald hügelig werdende Hinterland westlich von Perpignan: Dort trifft man

auf die markanten Südausläufer der Corbieren, die geologisch gesehen für eine klare Grenze

sorgen. Die Kalksockel werden durch den Bergsattel „Crau de Maury“ durchstoßen: Diesen soll

schon Hannibal mit seinem riesigen Heer überschritten haben. Südlich davon befindet sich ein

gut fünf Kilometer breiter Talkessel, der nach Süden hin zu den nördlichen Ausläufern der Pyrenäen ansteigt: Geologen interessieren sich sehr für diesen „Grabenbruch“, weil hier die europäische und die afrikanische Platte aufeinandertreffen und sehr interessante Verwerfungen und Überlagerungen geschaffen haben — und entsprechend vielfältige Aromen bieten die hier gekelterten Weine. Von Ost nach West misst der Grabenbruch fast 50 Kilometer und steigt sanft, aber stetig vom Meer bis in eine Höhe von 800 Metern an. Aufgrund der abrupt wechselnden Witterung im Winter und Frühjahr ergeben sich für die Weinbaugebiete vier Kleinklimazonen, die sich in der zeitlich versetzten Ausreifung der Trauben widerspiegeln.


Die Weinstöcke werden vorwiegend als „gobelets“ (frz. Becher) erzogen: Einzeln stehende

Weinstöcke, deren windbeständigen Äste so geschnitten werden müssen, dass sie eine Becherform bilden und somit den Trauben ein Mikroklima bieten. Im Laubschatten der Stöcke gedeihen die Trauben und widerstehen so den hohen Temperaturen, die schon ab Ende Mai auf 30Grad und ab Juni, Juli auf 40 Grad klettern können.


Biologisch bewirtschaftete Weinfelder geben im Roussillon nur selten mehr als 20 Hektoliter pro Hektar — konventionelle, mit Kunstdünger verseuchte Weinfelder durchwegs 80 hl/ha (!). Kein Stock gleicht dem anderen, jede Pflanze für sich ist ein echtes Individuum, das besonderer Pflege bedarf. Alte Rebstöcke von 80 Jahren und mehr sind hier keine Seltenheit: Dann bringen sie

überaus geschmackvolle Trauben hervor, deren Aromenexplosion ich bei noch keinen Tafeltrauben je erlebt habe, die handelsüblich angeboten werden. Der daraus gekelterte Naturwein kann nur gut sein!


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